Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 29. Juni 2010
Kommentar der "Neue Rhein Zeitung" Düsseldorf

"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister"

"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister

Sie haben gestern im Hauptausschuss des Rates zu Protokoll gegeben, dass Ihnen der Kommentar in der NRZ vom Samstag nicht gefallen hat. Sie haben gesagt „für den, der es nicht kapiert", dass Sie sich in Sachen Ihres Stadtdirektors Abrahams und des mitgeschleppten, weil ungelösten Finanzskandals in Krefeld „nicht von den Zeitungen treiben lassen". Besonders gewurmt hat Sie der Halbsatz im NRZ-Kommentar, „dass OB Elbers in der Personalführung nicht immer geschickt agiert".

Im Sinne eines offenen und kritischen Dialogs, wie es sich zwischen Rathaus und Medien gehört, will ich Ihnen gern antworten.

Zunächst: die Personalie Abrahams. Der Mann, der bisher einen untadeligen Ruf genoss (wie in der NRZ zu lesen war), steht seit seinem Amtsantritt in Düsseldorf inmitten brodelnder Töpfe einer Gerüchteküche. Je länger gekocht und gewürzt und angebrannt wird, umso mehr Dunst bleibt in den Kleidern hängen. Gehen Sie doch mal hin und stellen den Herd auf kleine Flamme!

Stattdessen - schweigen.

Darüber klagen alle Redaktionen. In einer Zeitung, die Ihnen nichts Böses will, haben 91 Prozent in einer Umfrage geäußert, der neue Kämmerer stehe zu Recht in der Kritik. In einer anderen Stadt hat ein Oberbürgermeister, der eine finanzielle Schweinerei verschwiegen hat, die Kommunalwahl nicht gut überstanden. In Düsseldorf sagen Ratsmitglieder quer durch die Parteien, sie hätten über die Krefelder Panne, die bei Abrahams' Bewerbung schon fast eineinhalb Jahre alt war, informiert werden müssen.

Nun ja: Das ist vielleicht blauäugig oder populistisch. Aber sollen wir nicht ebenso blauäugig glauben, ein Kämmerer könne von einer Zahlung von 800 000 Euro an die falsche Firma nichts wissen? Auch wenn nachher das Geld futsch ist? Kann das in Düsseldorf auch passieren? Was müssen die 9000 städtischen Mitarbeiter von dem Schweigen um ihren neuen Chef halten?

Es geht hier nicht um Vorverurteilung und Vorsatz, eher um Ins-rechte-Licht-rücken und Schadensbegrenzung. Aussitzen ist kein Krisenmanagement.

Hier kann ich nahtlos anknüpfen an das Thema Personalführung - oder Führung im Rathaus überhaupt. Da bekommen wir wahrlich viel Kritisches zu hören; und ich meine nicht den ebenso beliebten wie unsinnigen Volkssport Beamtenschelte.

Im Fokus Düsseldorfer Kritiker stehen: Dynamik, Dialog, Transparenz - von allem zu wenig. Bei der Franklinstraße haben Sie ein gutes Beispiel gegeben, dass es auch anders geht. Doch die Sorgen der Oberkasseler um das neue Verkehrskonzept - wer nimmt sie wahr? Und überhaupt: Wo bleibt der Nachfolger des Verkehrsdezernenten?

Kritik ist nicht Majestätsbeleidigung. Sie ist der Kitt in unserem Gemeinwesen.

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich kritisch

Ihre NRZ"