Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 25. Juni 2010

Abrahams: Druck aus Krefeld

Düsseldorf (RP) Der Krefelder Rat diskutierte am Donnerstag die Missstände im Steueramt. Gemeint sind verschlampte Steuerakten in der Zeit, als Düsseldorfs neuer Kämmerer dafür in Krefeld zuständig war. Die FDP meint, Elbers müsse sich einschalten.
Der Druck auf Düsseldorfs neuen Kämmerer, Manfred Abrahams, wegen der Schlampereien in der Krefelder Steuerbehörde hat trotz Solidaritätsbekundungen für ihn aus der Düsseldorfer CDU nicht nachgelassen, sondern wächst. Vor allem, weil in Krefeld unter Hochdruck an der Aufklärung der Vorfälle gearbeitet wird und das Ganze stets in Zusammenhang mit Abrahams gesehen wird.
Bis Ende Mai hat Abrahams bei den Nachbarn als Kämmerer gearbeitet. Nun arbeitet man in Krefeld die Missstände auf und im Rat wird diskutiert, den früheren Dezernenten trotz seines Wechsels nach Düsseldorf zur Verantwortung zu ziehen.
Gestern beschloss der Rat der Stadt Krefeld in nicht-öffentlicher Sitzung mehrheitlich gegen die Stimmen der CDU, dass der Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) prüfen soll, ob die Stadt Düsseldorf gebeten werden muss, beamtenrechtliche Maßnahmen gegen Abrahams einzuleiten.
Abrahams soll gewusst haben, dass es nicht nur eine Fehlbuchung über 800 000 Euro, sondern mindestens eine zweite über 600 000 Euro gegeben hat und dennoch mehrfach erklärt haben, bei der zuerst bekannt gewordenen Fehlbuchung habe es sich um einen Einzelfall gehandelt. Abrahams sei an der Strategie der "Verdunkelung" gegenüber dem Rat beteiligt gewesen, sagte ein SPD-Sprecher. Aus der FDP war der Vorschlag gekommen, diszplinarisch gegen Abrahams vorzugehen. Doch Oberbürgermeister Kathstede erklärte noch in der Ratssitzung, er werde den Antrag auf Prüfung nicht umsetzen, da er keine Anhaltspunkte für Beweise gegen Abrahams sehe.
Der Vorstoß der Krefelder Liberalen in Sachen Abrahams stieß hngegen bei den Parteifreunden in Düsseldorf durchaus auf Verständnis. Anders als in der Nachbarstadt ist die FDP der Landeshauptstadt zwar in einer politischen Partnerschaft mit der CDU verbandelt und hat mit der Union auch Abrahams zum Kämmerer gewählt, aber man sieht das Verhalten Abrahams' und der CDU eher distanziert. Manfred Neuenhaus, FDP-Fraktionschef im Düsseldorfer Rat, meint, das Ganze sei auch ein Thema für den hiesigen Oberbürgermeister.
Nach seiner Ansicht wäre es nützlich, wenn Elbers und Kathstede sich zum Gespräch träfen. Auf jeden Fall müsse auch die Führungs-Crew im Düsseldorfer Rathaus großes Interesse daran haben, den Fall schnell aufzuklären. Denn das Ansehen des bei Finanz-Fachleuten angesehenen Abrahams leide von Tag zu Tag mehr. Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers mag sich zu der Sache am liebsten gar nicht mehr äußern. "Mehr will ich dazu nicht sagen," erklärte Elbers der RP, nachdem er betont hatte, hinter Abrahams zu stehen und von seiner Kompetenz überzeugt zu sein.
Der Betroffene lässt Gesprächswünsche von seinem Sekretariat abweisen. Die Schlampereien im Steueramt Krefeld, das bis vor wenigen Wochen unter seiner Leitung stand, soll offenbar ein Krefelder Thema bleiben. Aber das scheint nicht zu funktionieren. Abrahams hat in einem Gespräch mit der RP erklärt, er sei zwar Dezernent gewesen, habe aber keine Chance gehabt, von all dem zu wissen.