Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 26. März 2010
Streit im Stadtrat über Sonntagsöffnungen der Stadtteilbüchereien: Kulturell sinnvoll? Unchristlich? Gesetzwidrig? Teuer?

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OB Elbers kommentierte die Enthaltungen entnervt als „Selbstbefriedigung der beiden Ratsmitglieder“
Mit einer wirren Abstimmung ging am späten Nachmittag die Abstimmung des Stadtrates für eine Sonntagsöffnung der Stadtteilbüchereien und der Zentralbibliothek aus. CDU und FDP setzten sich mit Unterstützung der Freien Wähler durch, allerdings enthielten sich demonstrativ die Christdemokraten Stefan Wiedon und Andreas-Paul Stieber, andere hatten den Ratssaal verlassen. OB Elbers zählte mehrfach die emporgestreckten Hände und kommentierte Enthaltungen entnervt als „Selbstbefriedigung der beiden Ratsmitglieder“. SPD, Grüne und Linke sagten geschlossen Nein zum Sonntag.

Allerdings traten Sie dafür ein, dass werktags (abends) und samstags die Öffnungszeiten verlängert werden sollten und dass das Leihangebot an digitalen Medien verstärkt werden soll.

Büchereien seien Kultur, Kultur solle man auch sonntags den Familien zugänglich machen – so das Argument von FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus. „Das ist Kommerz und hat mit Kultur nichts zu tun“, ätzte Günter Wurm (SPD). Sein Fraktionskollege Andreas Rimkus warf CDU und FDP vor, sie suchten nur einen Hebel, „um den Sonntag zu einem normalen Werktag zu machen“.

In der Tat verbietet das Arbeitsschutzgesetz die Sonntagsöffnung. Neuenhaus sagt, eine Änderung sei schnell zu machen – durch den Bund. Das hätte dann wohl auch Auswirkung auf die Bezahlung der Bücherei-Mitarbeiter: Sonntagszuschläge entfielen. Die Frage der Grünen Clara Deilmann, ob die Sonntagsöffnung mit weniger Öffnungszeiten an den Werktagen bezahlt werden solle, blieb unbeantwortet.

Genüsslich hielt die Opposition den Christdemokraten die Sonntagsarbeit vor. Ob denn die Stadt den Pfarrbüchereien Konkurrenz machen solle, fragte Rimkus. Marit von Ahlefeld (Grüne) las ihnen die Leviten: „Das Sonntagsshopping hat sich dekadent wie bei den spätrömischen Kaisern entwickelt.“ Sie fand es heuchlerisch, dass die Düsseldorfer CDU einerseits offen gegen das Gebot „Am siebten Tage sollst du ruhen“ vorgehe. „Da kann sich die CDU immer nur an den Kreuzen vorbeischleichen“, witzelte von Ahlefeld.

Nach ihrer Schätzung würden die zusätzlichen Sonntage 300.000 bis 400.000 Euro kosten. Jetzt soll die Verwaltung erstmal alles prüfen.
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Quelle: NRZ Neue Rhein Zeitung Düsseldorf