Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 22. Februar 2008
Die Quadriennale soll von einer GmbH koordiniert werden. Sie soll an die DMT angedockt werden.

Quadriennale demnächst in DMT-Hand?

SPD-Kulturpolitikerin Walburga Benninghaus: "Wir würden uns unserer Gestaltungsmöglichkeiten selbst berauben".

SPD-Kulturpolitikerin Walburga Benninghaus
Ursprünglich sollten die Politiker im Kulturausschuss gestern hinter verschlossenen Türen der Gründung der "Quadriennale GmbH" zustimmen. Daraus wurde nichts. Keine Beratung, keine Diskussion. Stattdessen soll sich der Rat in seiner nächsten Sitzung damit beschäftigen. Bis dahin dürfte es erheblichen Gesprächsbedarf zwischen der Politik und der Kulturverwaltung von Hans-Georg Lohe geben. SPD, FDP und Grüne haben gestern nach RP-Informationen deutlich gemacht, dass die geplante Konzeption mit ihnen nicht zu machen ist. "Wir würden uns unserer Gestaltungsmöglichkeiten selbst berauben", sagt Walburga Benninghaus (SPD).

Mehr als 250 000 Besucher

Vor zwei Jahren wurde die Quadriennale ins Leben gerufen. Dabei zeigten die großen Ausstellungshäuser über acht Monate lang parallel unter dem Leitthema "Der Körper in der Kunst" ihre Ausstellungen. Mehr als 250 000 Besucher kamen nach Düsseldorf, fünf Millionen Euro hat sich die Stadt die Schau kosten lassen. Darunter rund eine halbe Million für den Markus Lüpertz entworfenen Pavillon der Bildhauer. Das hölzerne Werk des Professors der Kunstakademie harrt seit anderthalb Jahren eines Käufers. Der Bund der Steuerzahler hatte der Stadt deshalb im vergangenen Jahr Verschwendung vorgehalten.

SPD: Ein Versorgungsfall

Nicht zuletzt wegen dieser Pleite ist FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus skeptisch hinsichtlich der Quadriennale GmbH. Ein neues Konstrukt zu beschließen, ohne dass die Versäumnisse der Premiere aufgearbeitet seien, missfalle ihm. In der neuen GmbH sieht er mindestens eine Schwachstelle: Neben Heinrich Heil, OB Erwins Redenschreiber, soll Hans-Georg Lohe die Geschäfte führen. Neuenhaus: "Wie muss ich mir das vorstellen? Muss sich der Kulturdezernent dann von der DMT-Geschäftsführerin Christina Begale sagen lassen, was er zu tun und zu lassen hat? Das ist doch absoluter Irrsinn!"

Mit der Doppelspitze Lohe/Heil wäre auch die Forderung nach einem eigenständigen Intendanten für die Quadriennale vom Tisch. Den hatten zahlreiche Kulturpolitiker gefordert. Für die SPD ist die Benennung Heils ein klarer Fall von Versorgung eines verdienten Mitarbeiters. Für qualifiziert hält man ihn jedenfalls nicht, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Annette Steller 2007. Vor zwei Jahren war die Kunsthalle gGmbH federführend, für das Konzept waren die Leiter der großen Museen verantwortlich.
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Quelle: Rheinische Post Düsseldorf