Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 17. Februar 2008
Bürgerentscheid

Golzheimer Bürgerinitiative scheitert gegen Victoria

Karin Kortmann: "Die Abrechnung kommt mit dem Jan-Wellem-Platz. Und da müssen wir gewinnen.”
OB Joachim Erwin begrüßte das Resultat als einen „klaren Erfolg” und interpretierte es vor allem auch als ein Scheitern der „dunkelrot-rot-grünen Allianz, die eine Abstimmung gegen Erwin daraus gemacht hat”. Sachfragen solle man jedoch sachlich behandeln und nicht an Personen aufhängen. Sobald nun der Bebauungsplan in der nächsten Ratssitzung verabschiedet werde, könne auch der Grundstücksverkauf formal vollzogen werden.

„Wir fühlen uns bestätigt”, meinte FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und verstieg sich zu der Einschätzung, dass neben den Pro-Victoria-Stimmen auch alle Nichtwähler der Meinung gewesen seien, dass der Verkauf des Grundstücks an die Victoria richtig sei: „Insgesamt sind das 87 Prozent.”

Eine abenteuerliche Version, befand die Grüne Clara Deilmann: „So kann man nur urteilen, wenn man die Leute dazu aufgerufen hat, nicht wählen zu gehen.” Bei einem Bürgerentscheid komme es eben auf die an, die zur Wahl gingen. „Und da ist immerhin sechzig Prozent des Quorums von 91 500 Stimmen erfüllt”, rechnete Grünen-Sprecherin Iris Bellstedt vor. „Das ist für ein so lokales Thema schon beachtlich.” Deilmann glaubt zudem an „ein tolles Signal” für den Bürgerentscheid über den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes am 13. April.

Ähnlich sieht das SPD-Chefin Karin Kortmann. Sie wehrt sich freilich gegen Erwins Verknüpfungstheorie. „Wir haben das Bürgerbegehren Golzheim zwar unterstützt, aber die Sache ist zu klein, um sie zu einer Abrechnung mit Erwins Planungspolitik hochzustilisieren. Die Abrechnung kommt mit dem Jan-Wellem-Platz. Und da müssen wir gewinnen.”

Die Ergo-Tochter Victoria wird nun auf dem etwa 10 000 Quadratmeter großen Grundstück einen dreiteiligen Büroriegel hochziehen. Die Fläche nutzen Anwohner, Victoria-Angestellte und andere derzeit als Parkplatz. Der Bau, der neben dem Künstlerhaus liegen soll, wird 168 Meter lang und 24 Meter hoch. In ihm wird ein zweites Rechenzentrum Platz finden, dazu sollen hier 900 Arbeitsplätze konzentriert werden, die derzeit größtenteils über die Stadt verteilt sind. Die Victoria füttert eine Stiftung zur Pflege des Friedhofs mit 700 000 Euro, weitere 300 000 gibt die Stadt dazu. Das Unternehmen stellt zudem 100 Anwohnerparkplätze in der neuen Tiefgarage zur Verfügung. Sie kosten 65 Euro im Monat.
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Quelle: NRZ Neue Rhein Zeitung Düsseldorf