Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 23. Januar 2008

"Der Friedhof wird eingekesselt"

DENKMALSCHUTZ. Die Bedenken der Experten bei der Golzheimer Anlage finden kaum Beachtung - dabei sind sie immens.

Die Verwaltung geht bislang davon aus, "dass entsprechende denkmalrechtliche Erlaubnisse erteilt werden können". So heißt es lapidar in der städtischen Einschätzung, die zuletzt im Ausschuss für Stadtplanung diskutiert wurde. Die Belange des Denkmalschutzes also gering, gar zu vernachlässigen? Bei den Fachleuten klingt das anders.

"Der Friedhof wird regelrecht eingekesselt", sagt Julia Kollosche-Baumann. Die wissenschaftliche Referentin im Rheinischen Amt für Denkmalpflege hat eine Stellungnahme für die Stadt verfasst. Dass man darüber im Rathaus ohne großes Zögern hinweggeht, enttäuscht sie. "Ich finde es nicht gut, wenn unsere Belange da eine untergeordnete Rolle spielen." Freilich: "Wenn es politischer Wille ist und die Stadt abgewogen hat, können wir nichts machen."

Das Ergebnis des Abwiegens verwundert - angesichts der gravierenden Bedenken, die Kollosche-Baumann nennt: "Es ist keine adäquate Antwort auf einen Friedhof aus dem neunzehnten Jahrhundert, ein fünfundzwanzig Meter hohes Bürogebäude davor zu stellen." Eine ihrer großen Sorgen ist die verstellte Sicht aufs Denkmal. "Wenn dort ein moderner Baukörper mit Null-acht-fünfzehn-Glasfassade entsteht, nimmt man den Friedhof überhaupt nicht mehr wahr. Man guckt auf eine Wand statt auf Grün."

Den Einwand, der Friedhof sei ja schon eingemauert, lässt Julia Kollosche-Baumann nicht gelten. "Eine dunkelrote Ziegelmauer ist etwas anderes als ein Bürogebäude, da ist zu viel Masse." Diesen Eindruck, so meint die Denkmalpflegerin, könnten auch die geplanten Glasgelenke nicht relativieren. Ein niedrigerer Bau dagegen schon.

Sicher: Der Parkplatz, auf dem der eigentliche Bau stehen soll, bedarf keines Denkmalschutzes. Doch Julia Kollosche-Baumann geht es um das Gesamtbild - zu dem auch die Kirche St. Adolfus und das Atelierhaus gehören. "Das Atelierhaus verträgt nicht unbedingt ein so massiges Gebäude."

Verloren zwischen Glas und Beton

Dem schließen sich die dort arbeitenden Künstler an. Klaus Ritterbusch: "Das Atelierhaus verlöre nicht nur einen Großteil des notwendigen Tageslichts, sondern würde sich auch zwischen den Glas- und Betonblöcken ausnehmen wie ein Fremdkörper."
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Quelle: NRZ Neue Rhein Zeitung Düsseldorf