Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 16. Januar 2008

Problem entsorgt

Der Fall Stulgies ist typisch: Oberbürgermeister Joachim Erwin tut alles dafür, Niederlagen noch in Siege zu verwandeln.
Ihr Entre´e beim Chef war schon denkbar unglücklich. Der Flurfunk im Rathaus fütterte Erwin mit der Einschätzung, die Grünen schickten ihm da eine selbstbewusste Frau in die Beigeordnetenkonferenz, die ihm auch mal die Stirn bieten werde, wenn's denn sein muss.

Diese Tatsache nötigt Erwin im Grundsatz sogar eine Prise Respekt ab. Ja-Sager will er zwar und bekommt sie auch im Dutzend - aber er verachtet sie natürlich. Dass er Stulgies' Vorgängerin Charlotte Nieß-Mache gerade auch wegen ihres Beharrungsvermögens schätzte, merkte man ihm an, als er die Grüne vor einem Jahr offiziell verabschiedete. Er hatte sie in der Verwaltungskonferenz oft gerupft, doch sie zeigte sich meist unbeeindruckt.

Aber soll man sich so eine anstrengende Person nochmal antun? Erwin putzte die neue Kandidatin hinter den Kulissen herunter, sprach ihr die Kompetenz ab. Seinen Wunschmann, den grünen Umweltamtschef Werner Görtz konnte er dennoch nicht durchdrücken, weil die FDP sich mit den Grünen und der SPD gegen die CDU verbündete. Dabei hätte sich der brave Görtz in Erwins Augen doch nahtlos in die strammsitzende Dezernentenriege eingereiht.

Erwin reagierte bockig, ließ die Frau erstmal zappeln, ehe er ihr dann endlich einen Gesprächstermin anbot. Keine vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung, denn dem Vernehmen nach sah sich die 51-Jährige Erwin, seiner Büroleiterin Christina Begale, einem Referenten Erwins und wohl auch Rathaussprecher Kai Schumacher gegenüber. Zustände wie im Gericht. Das darf man erdrückend finden.

Nur Helga Stulgies selbst kann ermessen, ob sie sich nun eingeschüchtert fühlt. Zu hören ist, dass sie es „doch ganz nett” finde in ihrem neuen Büro an der Cranachstraße. Dass Erwin sie nach Flingern verbannte, entspricht seinem grundsätzlichen Verständnis, wie man mit Problemen umgeht. Man entsorgt sie.

Wie verärgert der Verwaltungschef über seine Personalniederlage ist, macht die Art und Weise deutlich, wie er Stulgies demütigt. Als er vor ein paar Tagen ein Projekt präsentierte, in dem Hausbesitzer bei der Wärmedämmung ihrer Häuser unterstützt werden, saß Görtz als neuer Klimaschutzbeauftragter neben ihm. Und auch gestern, als die supersaubere Müllverbrennungsanlage angepriesen wurde, hockte nicht die Umweltdezernentin mit Awista-Chef Henning Friege bei der Pressekonferenz, sondern Erwin. Weil Müll ja auch etwas mit Klimaschutz zu tun habe.
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Quelle: NRZ Neue Rhein Zeitung Düsseldorf