Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 02. Oktober 2007
Die SPD-Politikerin Britta Altenkamp möchte wissen, warum die Fragen der Kinder von anderen vorbereitet wurden und wie viel Geld der Steuerzahler für diese Werbeveranstaltung zahlen musste.

Spielt Rüttgers ein teures Theater?

Am 11. September veranstaltete die Staatskanzlei gemeinsam mit Schul- und Familienministerium ein Kinderforum, zu dem rund 500 Kinder geladen wurden. Zum Programm gehörte ein Interview des Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) durch ein Kind, den neunjährigen Luis Priboschek. Dieser sympathische kleine Junge stellte Rüttgers Fragen, die der bestens zur Werbung in eigener Sache nutzen konnte - Fragen wie die folgende: "Wenn man annehmen würde, NRW sei eine Mannschaft, dann wäre der Ministerpräsident ja wohl der Kapitän, und die Kinder wären Teil der Mannschaft. Ist der Kapitän denn auch für uns Kinder da?" Natürlich erwies sich Rüttgers als voll und ganz für die Kinder da.Erstaunlich ist indes zweierlei: Erstens gestand der Junge einem Reporter, die Fragen habe er sich nicht selbst ausgedacht. Und zweitens handelt es sich bei dem Jungen um den Sohn Andrej Priboscheks, Sprecher des Schulministeriums. SPD-Politikerin Altenkamp möchte nun wissen, warum die Fragen der Kinder von anderen vorbereitet wurden und wie viel Geld der Steuerzahler für diese Werbeveranstaltung zahlen musste.Zweierlei wollte sie jedoch nicht wissen: Wer hat die Fragen vorbereitet? Und wer hat die Kinder ausgesucht? Im Schulministerium heißt es offiziell dazu, es habe eine gemeinsame Vorbesprechung von Vertretern des Schulministeriums, des Familienministeriums, der Staatskanzlei und des Kindermoderators gegeben - "damit das Interview strukturiert ablief". Unter der Hand beteuern jedoch viele im Schulministerium, auf solch eine Idee sei niemand in ihrem Hause gekommen. Auch im Familienministerium heißt es, diese Inszenierung habe kein Ministerium zu verantworten. Bliebe nur noch die Staatskanzlei. Und dort wollte man sich partout nicht äußern.Kein Wunder, wird deren Professionalität derzeit doch durch eine zweite Affäre erschüttert: Ein Redenschreiber des Ministerpräsidenten hat unter Pseudonym Schmähartikel gegen Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Oettinger (CDU) geschrieben. Und auch da fragt die Opposition nun: Was wusste Rüttgers?
---
Quelle: Welt online