Pressespiegel:

  • Düsseldorf/Gelsenkirchen, 06. September 2007
Aufschlußreich, wie Düsseldorfs OB auch außerhalb der Stadtgrenzen wahrgenommen wird

Blick in den Mülleimer

Die WAZ Gelsenkirchen brachte am 01.09. einen Kommentar über den "selbstgefälligen Herrn Erwin"
Ein eindringliches Bild, das alltägliche Armut dokumentiert. Tausende Familien in der Stadt leben von Hartz IV, bei dem Kindersätze für die alltägliche Versorgung zur perfiden Cent-Aufzählung werden, die bar realer Kosten ist; Kinder müssen für einen Euro mit warmen Mahlzeiten in Ganztagsschulen versorgt werden; in der Gelsenkirchener Tafel drängen sich die Bedürftigen (und dann erweist sich das Engagement fürs "Pausenbrot" als bitterer Flop!)

Bei allen vorzeigbaren Anstrengungen zur "sozialen Stadt", bei allen Erfolgen von Stadterneuerung, die Bundesbauminister Tiefensee (mal wieder) erst vor zwei Tagen bei seiner Gelsenkirchen-Visite lobte, bei allen konjunkturellen Aufhellungen und berechtigten Imageverbesserungen: Gelsenkirchen kämpft weiter mit der sozialen Not, mit enormen Strukturbelastungen.

Das ruft man sich in Erinnerung, wenn man einen - mit Verlaub selbstgefälligen - Düsseldorfer Oberbürgermeister Erwin sieht, der locker die Schuldenfreiheit seiner Stadt anpreist und auf Revierkollegen herabsieht, vom freien Markt spricht wie von der freien Liebe. Das gehört in der Tat in die Tonne.

Es ist wahrlich kein Jammern, wenn Städte wie Gelsenkirchen trotz eigener Stärken und Anstrengungen nach dem Staate rufen, den Erwin generös beiseite schiebt.

Ein Staat allerdings, der gezielt stützen und fördern soll und nicht auf Teufel komm raus liberalisieren und privatisieren - siehe Stadtwerke, ohne die etwa in Gelsenkirchen Bäderangebote oder auch Zoom nicht möglich wären. Solange die Stadt in der - nicht selbstverschuldeten Schuldenfalle sitzt, braucht sie Unterstützung und Gestaltungsspielraum, aber keine Belehrungen und Auflagen, die sie nur weiter benachteiligt.

  • Herr Erwin würde wahrscheinlich einfach den Mülleimer abschrauben.

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    Quelle: WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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