Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 28. August 2007

Gefeuert, versetzt, suspendiert

Bei Fehlleistungen macht Joachim Erwin üblicherweise kurzen Prozess mit den Verantwortlichen. Nur beim Kämmerer nicht.
SPD, FDP und Grüne forderten personelle Konsequenzen – was auf den Kämmerer zielte. Tatsächlich aber scheint es so, dass die CDU sich vor „ihren“ Mann stellt. Rattenhauber ist zwar kein Mitglied, war aber auf Ticket der Union zum Kämmerer gewählt worden.

Viel Geduld hat offenbar auch Oberbürgermeister Erwin. Es scheint, dass er den 61-Jährigen im Amt halten will. Dabei hat Erwin in anderen Fällen schon desöfteren kurzen Prozess mit den Verantwortlichen gemacht. Beispiel Messe: Mit so genannten Eventshows wollte die Messe Geld verdienen. Doch „Titanic“ (1999) und „Star Trek“ (2000) floppten: 60 Millionen Euro Miese.

Erwin als Vorsitzender des Aufsichtsrates fackelte nicht lange: Messechef Hartmut Krebs musste seinen Hut nehmen – und mit ihm auch Finanzchef Jürgen Schroer. Der Versuch, bei den beiden Ex-Managern acht Millionen Euro Schadenersatz einzuklagen, blieb jedoch ohne Erfolg. Beispiel DMT: Wenig zimperlich ging Erwin auch mit Hans-Helmut Schild um, dem ehemaligen Geschäftsführer der Marketing-Tochter DMT. Der wurde 2003 gefeuert, weil er die Kosten nicht im Griff hatte.

Unter dem Strich sollen unnötige Zusatzausgaben in Höhe von 565 000 Euro gestanden haben. Aufsichtsrats-Chef Erwin bearbeitete Schild höchstselbst – bis der einen Auflösungsvertrag unterzeichnete. Beispiel Amtsleiter: Wer bei Erwin in Ungnade fällt, ist seinen Job bisweilen fix los. Davon kann auch Gerd Willms ein Lied singen. Anfangs des Jahres wurde der Leiter des Amtes für Immobilienmanagement zwangsversetzt.

Es hieß, er sei mitverantwortlich für das Debakel Paketpost. Schon damals argwöhnte die Opposition, Willms solle zum Sündenbock gemacht werden. Tatsächlich war Stadtkämmerer Rattenhuber laut Rechnungsprüfer über alle wichtigen Fakten informiert.

Noch härter traf es Gerd Kark. Der Leiter des Wahlamtes wurde 2004 suspendiert, weil er in einem heiklen Fall nicht seinen vorgesetzten Dezernenten, sondern die Landeswahlleiterin informiert hatte. Kark wehrte sich vor dem Arbeitsgericht erfolgreich gegen die Suspendierung.

Dass Erwin Rattenhuber nun die Treue hält, wundert die Opposition nicht. Der sei des Oberbürgermeisters wichtigster Erfüllungsgehilfe. Tatsächlich hatte sich Erwin schon 2001 für Rattenhuber als neuen Stadtdirektor, stark gemacht – doch die CDU-Fraktion wählte Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Erst als der zum Land wechselte, wurde Rattenhuber auch Stadtdirektor.

Quelle: WZ, Westdeutsche Zeitung Düsseldorf