Meldung:

  • 06. August 2007

Forum Kö-Bogen lädt ein zu Informationsveranstaltungen

Offener Brief an den Oberbürgermeister
und die Fraktionen im Rat der Stadt Düsseldorf

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Mitglieder des Rates,
mit Sorge verfolgen wir den Fortgang des Projektes „Kö-Bogen". Obwohl es aus der Fachwelt und aus der Bürgerschaft eine Reihe fundierter Einwände gab, sind diese nicht aufgegriffen worden. Auch der durchgeführte „Fassadenwettbewerb" hat die grundlegenden Probleme nicht gelöst. Folgt man der Abstimmung in der WZ, meinten bis zum 21.6.07 46 % von 316 Einsendern, dass ihnen keiner der Entwürfe gefiele.
Wir wissen natürlich, dass ein so weit fortgeschrittenes Verfahren nicht ohne weiteres angehalten werden kann. Wir bitten Sie aber dennoch für den Fall, dass durch neue Umstände Korrekturen des Bebauungsplanes möglich würden, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Wir schreiben Ihnen dies vor dem folgenden Hintergrund:
Die Königsallee ist ein weltbekannter Boulevard und der Imageträger Düsseldorfs. Auch wir verfolgen das Ziel, der „Kö" im Übergang zum Hofgarten einen städtebaulichen Abschluss zu geben. Dies darf jedoch nicht mit einer austauschbaren und im Volumen weit überzogenen Bebauung geschehen. Der Kö-Bogen ist ein einzigartiger Standort; am Hofgarten - zwischen Museen, Oper, Schauspielhaus - ist er von kulturellen Einrichtungen umgeben. Für eine überwiegende Büronutzung ist der Standort deshalb zu wertvoll.
Wir möchten, dass an dieser Stelle auch ein kulturelles Element integriert wird und der Blick von der Dachzone für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar wird. Nur eine Fassadenverbesserung ändert an den grundsätzlichen Mängeln der Planung aus unserer Sicht deshalb nichts.
Der Kö-Bogen ist ein europaweit attraktiver Standort. Für das Filetstück der "Kö" werden sich immer Investoren finden. Wir haben auch Grund zu der Annahme, dass bei einer öffentlichen Ausschreibung sich weltweit Nutzer für diesen Standort interessieren würden, und dass dabei auch höhere Bodenpreise zu erzielen wären, die wiederum die Finanzierung großzügiger Verkehrsmaßnahmen erleichtern würden.
Zuvor geht es jedoch darum, die für die langfristigen Interessen Düsseldorfs richtige Form des Volumens und der Nutzungen zu bestimmen, und erst dann nach Investoren zu suchen. Wir befürchten zudem, dass der städtische Boden bei nur einem Interessenten zu billig abgegeben wird und dadurch die Finanzierung der verkehrlichen Maßnahmen nicht gesichert ist - bzw. diese zu kleinräumig ausfallen.
Deshalb schlagen wir Ihnen die folgenden Schritte als Sofortmassnahme vor, unabhängig davon, ob diese oder eine andere Planung zur Debatte steht:
1. Städtebaulicher Rahmenplan
Ein städtebaulicher Rahmenplan muss Gestalt, Beziehungen und Nutzungen für den Gesamtraum zwischen Hofgarten, Oper, Schadowstrasse, Schauspielhaus und Dreischeibenhaus verbindlich klären, bevor eine Bauentscheidung fallen darf.
2. Realisierungspläne für die Verkehrswege und Plätze
Über die Umgestaltung, die Realisierungsstufen und die Realisierbarkeit der betroffenen Verkehrswege, Plätze und Strassen muss vorher entschieden werden.
3. Gestaltungskonzept für den Kö-Bogen
Entwicklung eines Nutzungs- und Volumenkonzeptes für den Kö-Bogen. Danach werden Investoren aufgerufen, sich konstruktiv in eine stadtverträgliche Lösung einbringen.
4. Wettbewerb für den Kö-Bogen
Wir fordern einen offenen städtebaulichen Wettbewerb für das gesamte Gebiet, damit die besten Ideen für die Gestaltung der Räume und der Bebauungen des gesamten vom Rahmenplan erfassten Areals gefunden werden.
„Kö" und Hofgarten gehören allen Bürgern. Es gibt aus unserer Sicht keinen vernünftigen Grund für den Zeitdruck. Eine weltweit anerkannte Lösung, die einem zukünftigen neuen Düsseldorfer Stadtbild eine prägende und unverwechselbare Signifikanz geben wird, ist zu entwickeln. Ein gutes Stück Stadt braucht Zeit. Lassen Sie uns zusammen eine weltweit anerkannte Lösung entwickeln, die für mehr als wenige Jahrzehnte Bestand hat. Entwickeln wir gemeinsam unter Einbeziehung der Bürger und Bürgerinnen der Stadt ein richtiges Stück neues Düsseldorf - und kehren Sie zu einem transparenten Entscheidungsverfahren mit breiter Bürgerbeteiligung zurück. Damit wenden wir uns nicht gegen den aktuellen Investor. Auch wir wollen, dass die Trinkaus-Bank in Düsseldorf einen guten Standort hat, ggf. auch an dieser Stelle, aber in einer verträglicheren Form und Nutzungsmischung.

Für ein Gespräch stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Düsseldorf, den 21 Juni 2007

Für das Forum Kö-Bogen:
Univ. Prof. em. Gerhard Curdes, Aachen