Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 06. August 2013
Ladenhüter Betreuungsgeld

Zum Start der umstrittenen Leistung gibt es in Düsseldorf nur 18 Anträge


Selten hat eine staatliche Geldspritze die Gemüter so sehr erhitzt wie das Betreuungsgeld. Die einen schmähen es als "Herdprämie", die anderen sprechen von "echter Wahlfreiheit" für Familien. Nach jahrelangem politischen Gezerre tritt die umstrittene Leistung am Donnerstag in Kraft. Sie geht an Familien mit Kleinkinder, die zu Hause betreut werden und nicht in eine Kita oder zu einer Tagesmutter gehen. Doch in Düsseldorf hält sich das Interesse bislang in Grenzen.

Bis kurz vor dem Start wurden beim Amt für soziale Sicherung und Integration nur 18 Anträge auf Betreuungsgeld gestellt. Das sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Eine Prognose, wie viele Anträge in den kommenden Monaten noch eingehen, gebe es nicht. "Wir müssen nehmen was kommt", sagte er. Auf jeden Fall stelle die Stadt sicher, dass alle Anträge auch bearbeitet würden. Voraussetzung sei, dass das Kind nach dem 1. August 2012 geboren sei und keine öffentlich geförderte Tageseinrichtung oder Kindertagespflege besuche. Pro Monat gebe es 100 Euro, ab August 2014 dann 150 Euro. Allerdings werde das Geld erst ausgezahlt, wenn die zustehenden Monatsbeiträge des Elterngeldes vollständig verbraucht seien. In der Regel ist das der 15. Lebensmonat.

Auch im Umfeld von Düsseldorf ist das Betreuungsgeld bislang ein Ladenhüter. Duisburg kommt auf magere sechs Anträge, im Rhein-Kreis Neuss verbuchen die Behörden immerhin 42. Angesichts der extrem schwachen Nachfrage brandet die Kritik am Betreuungsgeld wieder auf. Die SPD sieht sich in ihrer ablehnenden Haltung bestätigt. "Das wundert mich überhaupt nicht. Die Menschen wollen professionelle Betreuung und keine Alimentierung für die Betreuung zu Hause", sagte der Düsseldorfer Bundestagskandidat und Ratsmitglied Andreas RIMKUS. Schon jetzt sei die Leistung ein "familienpolitischer Flop". Das Geld solle lieber in den Ausbau der U3-Betreuung fließen, da schon jetzt für 2000 Kinder in Düsseldorf ein Kita-Platz fehle.

Die CDU, die auf Bundesebene das Betreuungsgeld durchgesetzt hat, gibt sich hingegen gelassen. "Ich erwarte in den kommenden Monaten steigende Antragszahlen", sagte Ratsmitglied Stephan Friedel. Wegen der vorausgegangenen "Stimmungsmache" müsse sich die neue Leistung erst etablieren. "Das ist nichts, wofür man sich schämen muss."
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Quelle: DIE WELT vom 31.07.2013